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Heiligendamm im Winter
Grandhotel lockt mit Wellness und Ruhe

Es gilt als ältestes Seebad Deutschlands – die weiße Stadt am Meer. Heiligendamm. Ein Ensemble von Villen, direkt am Ostseestrand, bei Bad Doberan, unweit von Warnemünde. Im Jahr 1793 soll hier Herzog Friedrich Franz 1. von Mecklenburg-Schwerin auf Anraten seines Leibarztes seinen adligen Fuß ins kalte Seewasser gestippt – und Gefallen daran gefunden haben.

Na ja, und wenn der Herzog an die heilende Kraft des Seewassers glaubt, dann tut es ihm die betuchte Entourage gleich. Also entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit ein munterer Kurtourismus zum Heiligen Damm, nebst reger Bautätigkeit, um die hochwohlgeborenen Gäste auch beherbergen und unterhalten zu können. Ein klassischer Fall von Influencer 1.0

Zum Glück standen die Villen auch noch nach der Wiedervereinigung. Zwar in einem schrecklichen Zustand, weil die DDR sie seit Jahrzehnten in bewährter Manier durch die werktätige Klasse verrotten ließ, aber noch rettbar.

Investor Anno August Jagdfeld, der mit seiner Fundus Gruppe auch das Adlon in Berlin und das Quartier 206 in der Friedrichstrasse baute, hatte im Angesicht der Fast-Ruine so seine Vision. Wie schön wäre es doch, hier den Prinzen zu spielen, der das Kurbad-Dornröschen wieder wach küsst? Wie bei allen Projekten, gab es natürlich auch hier nicht nur finanziell Irrungen und Wirrungen. Der robuste Immobilien-Unternehmer aus dem Rheinland inszenierte gerade in Heiligendamm fast schon genußvoll den Clash of Cultures, als er es den renitenten mit Plastiktüten und Badeschlappen bewehrten Anwohnern unmöglich machte, ihren scheinbar gewohnheitsrechtlichen Anspruch auf den Badeplatz ausgerechnet direkt vor dem nun neuen Luxushotel durchzusetzen. Die ersten Gäste waren einigermaßen irritiert. Und auch die prognostizierte zahlungskräftige Klientel, die die klassizistischen Galeriehäuser, also die Villen direkt in erster Reihe, zu horrenden Preisen kaufen und restaurieren sollte, schreckte etwas zurück, da man auf Klassenkampf im Vorgarten erkennbar keine Lust hatte.

Es holperte also mächtig nach der Eröffnung des wunderschön wieder hergestellten Gesamtkunstwerks Heiligendamm. Die Konflikte sind zum Glück mittlerweile bereinigt. Man übt friedliche Koexistenz. Und für das Hotel war der G8 Gipfel von 2007 natürlich ein PR-Glücksfall. Denn danach kannte jeder Heiligendamm.

Heute ist das Grandhotel eine feste Größe im Ostsee-Tourismus. Aber was passiert eigentlich, wenn die Badesaison vorbei ist? Lohnt es sich auch, in ein so schönes Hotel zu fahren, wenn es draußen stürmt und schneit? In ein Hotel, das nun außerhalb des Geländes zugegeben wenig luxuriöse Fortsetzung findet. Ja, Bad Doberan ist ganz nett, und das mit dem Auto auch schnell erreichbare Warnemünde sehr angenehm. Aber macht man das überhaupt, wenn man im Winter die Ruhe der schlafenden weissen Stadt am Meer spüren möchte?

Ich habe nun genau das ausprobiert. Mal in der kalten Jahreszeit, außerhalb jeder Saison, in das Grandhotel Heiligendamm zu fahren. Und für die Reise in das Wintermärchen wählte ich ein außergewöhnliches Transportmittel…

Heiligendamm im Winter
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