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TUI investiert in Internet-Auftritt

Für langjährige Beobachter des Veranstalter-Geschäfts ist es immer eine klammheimliche Freude, zu beobachten, welche Kommunikations-Pirouetten gerade en vogue sind bei den Big Playern. Je nachdem nämlich, wo man im Augenblick seine vermeintliche Stärke verortet.

Derzeit wird das in der Regel sich selbst verliehene Siegel „Marktführer“ gerne als Monstranz vorweg getragen. Dabei erinnert man sich noch allzu gut an das gefühlt ewig gültige Credo von der Marge vor der Menge, der Preisführerschaft, des Service-Champions, oder welche Plaketten noch von der Marketingabteilung erfunden wurden, um sich ein Mäntelchen der Exklusivität umhängen zu können.

Marktführer gibt es also derzeit mehr, als man zählen kann. Wobei man diesen Titel in der Regel sowieso nicht valide zählen kann, weil so viele belastbare Daten gar nicht vorhanden sind. Anyway. Die TUI als unbestrittener Marktführer, zumindest vom Marktanteil her, muss schauen, wie sie diesen Wert noch weiter steigern kann. Schließlich gibt es die klare Messlatte 25 Prozent – und das in einem Markt, der in seiner Gesamtheit nicht groß wächst.

Und da derzeit, wie bei den anderen großen Wettbewerbern auch, etwa 80 Prozent + der Kunden den Vertrag im Reisebüro abschließen, und man diesen Wert auch kaum positiv feintunen kann durch noch mehr Außenwerbung oder neue Büroeinrichtungen, wird der Online-Kanal immer wichtiger.

Spätestens bei dieser Aussage klingeln beim Stationären Vertrieb alle Warnglocken. Weswegen das TUI-Management auch gleich die Beruhigungsspitze „Omnichannel“ hinterher schickt. Klar, der potentielle Kunde muss da abgeholt werden, wo er sich gerade aufhält. Aber auch, wenn er auf seinem Smartphone nach Reiseinspirationen daddelt, soll er immer nur einen Klick davon entfernt sein, die Detailarbeit dann doch lieber einem – nicht teureren – Reisebüro überlassen zu können.

Diese Strategie ist nicht neu und hat schon dazu beigetragen, dass zumindest die professionell geführten Reisebüros sich immer mehr einbringen in diese Strategie , die die Online-, mit der Offline-Welt verbinden soll.

Neu ist mehr der Erlebnisansatz, der jetzt auf TUI.com einziehen soll. Die Veranstalter-Webseite war ja bisher nicht gerade dafür bekannt, besonders originell oder nutzerfreundlich zu sein. Ihr Glück, dass die anderen Veranstalter eine mindestens genauso schlechte Online-Präsenz haben und allesamt weit abgeschlagen im World Wide Web dümpeln im Vergleich zu anderen Konsumgüter-Branchen.

Nun soll auch ein Warenkorb – Amazon lässt grüßen – das lustvolle Stöbern unterstützen und Deal-Gimmicks genauso wie kleine Gutschein-Anreize die Webseite attraktiver machen. Natürlich, so wird in Hannover betont, immer mit der Exit-Möglichkeit, jederzeit aus dem Stöbern in Richtung Reisebüro abzubiegen.

Damit setzt sich TUI-Deutschland CEO Marek Andryszak durch. Er hat ja von Anfang an deutlich gemacht, dass es sich die TUI nicht weiter leisten kann, die Möglichkeiten des Online-Vertriebs nur mit angezogener Handbremse zu nutzen. Darüber konnte ich mich am Rande der Programm-Vorstellung Sommer 2018 mit ihm unterhalten.

Ach ja…, noch ein kleiner Tip: wenn Sie für Ihre Urlaubsinspirationen auf TUI.com gehen, dann surfen Sie doch einfach mal eine Zeitlang munter durch die Zielgebiete und schauen sich mehrere Destinationen und Hotels vermeintlich interessiert an. Wenn Sie dann den Mauszeiger zielstrebig auf das Todes-X bewegen, also so tun, als ob Sie die Webseite schließen möchten…, dann wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein netter Gutschein aufploppen… Einzulösen online, oder im Reisebüro Ihres Vertrauens… 🙂

 

Zum Anhören des Podcasts bitte auf den Play-Button im Bild von Marek Andryszak klicken.

 

 

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