Ohne Frage ist und bleibt Berlin der Leuchtturm im deutschen Tourismus. Es gibt keine andere Stadt im Lande, die auch nur annähernd jedes Jahr so viele Gäste beherbergt; allen Rankings der Reiseveranstalter zum Trotz, die in der Regel nur den marginalen Anteil ihrer Gäste berücksichtigen, die Anreise, Hotel und Musicalshow in einem Pauschal-Paket buchen.

Berlin fasziniert nach wie vor die Welt, auch wenn die Geschichte und die Zeit-Monumente der deutschen Teilung vielleicht nicht mehr diese Strahlkraft haben der ersten Nach-Wende-Jahre. Kontinuierlich gehen die Gästezahlen nach oben, und es werden neue Hotels gebaut. Das Ende ist nicht in Sicht. Trotzdem: so richtig ausgelastet sind die Herbergen noch lange nicht. Lag die Durchschnittsbelegung übers Jahr gerechnet bei den Hotels 2009 noch bei unter 50 Prozent, ist man jetzt bei endlich über 60 Prozent. Schon schön, aber da ist natürlich noch viel Luft nach oben.

Wohlgemerkt, im Vergleich zu anderen deutschen Metropolen liegt die Hauptstadt mit dieser Zimmerauslastung an der Spitze. Nur nicht beim ARR, also der Average Room Rate, dem Durchschnittspreis pro Nacht. Da bleibt Berlin ihrem Image als Günstig-Kapitale weiter treu: knapp unter 100 Euro kostet Pi mal Daumen eine Hotelübernachtung. Das ist die schlechteste Durchschnittsrate im Städteranking. Und auch beim RevPar, also dem Logis-Erlös pro verfügbarem Zimmer, dümpelt Berlin nur in der unteren Hälfte der Liste und schaut neidisch darauf, was zum Beispiel die Münchener ihren Gästen aus der Tasche ziehen können.

Bei aller positiven Prognose, dass Berlin auch weiter eine sichere touristische Zukunft hat, ist es nicht so einfach aus Sicht der Gastgeber, also der Hoteliers, ein gutes Geschäft zu machen in der Stadt. 

Beim Freizeit-Touristen muss man sehr sensibel sein mit Preiserhöhungen. Die erwiesene Gunst als Ziel für ein Wochenende ist eine sehr flüchtige, wenn das Budget ausgereizt wird. Und beim eigentlich Margen-trächtigen MICE Markt, also den Kongressen, Tagungen, Konferenzen und Events, ist Berlin nicht nur aus internationaler Sicht Provinz. Ohne gute Fluganbindung und wegen der Schlafmützigkeit der Lokalpoilitik, das geschlossene ICC betreffend, auch ohne ausreichende Kapazität für die wirklich großen Nummern, die der Stadt viel Geld bringen würden.

Von daher sieht der Branchenverband der Hotellerie und Gastronomie, der DEHOGA, noch viele Bretter, die bei der Politik gebohrt werden müssen, damit die Sterne über Berlin weiter leuchten.

Ich traf am Rande einer Diskussion des Travel Industry Clubs über die Zukunft der Berliner Hotellerie den Präsidenten des DEHOGA Berlin, Christian Andresen, selbst erfolgreicher Hotelier der Stadt. Es wurde ein interessantes Gespräch, vor allem auf der Meta-Ebene. Ist man es doch schließlich gewohnt als Journalist, dass Lobbyisten gerne als Vertreter des Stammes „Nimm!“ auftreten. Da ist die Gastgeber-Branche natürlich viel höflicher und schon von Berufs wegen eher mehr auf Benimm fokussiert. Vielleicht ist das auch gleichzeitig ihr Problem: Wegen der guten Umgangsformen von den Politikern unterschätzt zu werden, die sich ja tagtäglich in ihrem doch eher rustikalen Umfeld bewegen…

Um den Podcast mit Christian Andresen zu hören, bitte auf den PLAY Button im Bild klicken.

 

 

Sterne über Berlin
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