Jürgen Drensek als Reise-Experte im ZDF-Studio von Volle Kanne mit Moderator Florian Weiss

Reisejahr 2024 – Trends, Tricks und Tücken
ZDF Expertengespräch mit Jürgen Drensek

Kommentar: Jürgen Drensek

Reisemarkt 2024: Eine kritische Analyse der bevorstehenden Trends. Welche Ziele werden Deutschlands Favoriten? Wie beeinflussen Naturkatastrophen die Reiseplanung? Lesen Sie meine umfassende Einschätzung zu den aktuellen Entwicklungen im Reisejahr 2024, von Frühbucher-Rabatten bis zu nachhaltigem Tourismus. Das Studiogespräch wurde am 29. Dezember 2023 in der ZDF-Sendung VOLLE KANNE geführt, mit Moderator Florian Weiss.

 

Um das ZDF-Interview zu sehen, bitte auf den PLAY Button im Titelbild klicken.

 

Welche Länder werden im nächsten Jahr besonders beliebt sein?

Das absolut beliebteste Land, in dem Deutsche Urlaub machen, ist – Trommelwirbel – gar nicht exotisch. Die meisten wählen Deutschland selbst als Ziel. Das schwankt immer von Jahr zu Jahr ein bisschen – dieses Jahr war das Sommerwetter bei uns ja nicht so dolle, aber Ferien daheim im eigenen Land ist zahlenmäßig mit fast einem Drittel aller Reisen nicht zu toppen.

Wenn wir uns jetzt auf die Flugziele konzentrieren, also die klassische Sommer-Pauschalreise mit einem Veranstalter, da könnte ich Ihnen auch die Hitlisten der letzten Jahre geben. Da ändert sich in der Regel nur ganz wenig: Prognose für 2024, da wird unser 17. Bundesland der Spitzenreiter, also Mallorca. Momentan dicht gefolgt von der Türkei und den griechischen Inseln, hier vor allem Kreta, Rhodos und Kos.

Interessant in der Prognose ist, dass das ägyptische Hurghada sogar noch vor den Kanaren liegt. Ägypten im Hochsommer. Da muss man die Sonne wirklich mögen. Aber die Kanaren sind ja auch eher ein Winter-Dauerbrenner. Um das mal zu veranschaulichen: Die Hälfte aller TUI Gäste, also vom größten europäischen Veranstalter, tummeln sich gerade auf den Kanaren.

Welche sollte man eher vermeiden?

Dass Deutsche politische Moral eher nonchalant sehen, sieht man daran, dass die Türkei auch im kommenden Jahr wieder ein, oder vielleicht sogar das, Topziel sein wird. Deutsche kümmern sich nicht um Politik. Eher schon um Naturkatastrophen. Sollte sich nächstes Jahr die Erfahrung von diesem Sommer wiederholen – die zum Teil katastrophalen Brände rund ums Mittelmeer – könnte das künftige Planungen schon beeinflussen. Aber ansonsten gibt es bei den klassischen Urlaubsländern zur Zeit keine Warnhinweise.

Wann ist es am besten zu buchen?

Ich vermute mal, während wir uns hier unterhalten, laufen bei allen deutschen Veranstaltern die Buchungscomputer heiss. Klassisch wird zwischen Weihnachten und Mitte Januar gebucht – nach dem Familienrat. Die Veranstalter unterstützen dieses Frühbuchen natürlich, weil sie dann besser planen können. Und da gibt es schon satte Rabatte. Vor allem für Familien. Absolut unschlagbar sind die Kinderfestpreise. Ich habe mal eben nachgeschaut. Da gibt es bei der TUI für 150.000 Kinder in über 300 Hotels einen Festpreis ab 111 €. Egal, wie lange der Urlaub dauert. Auch der Flug ist da bereits inklusive. Und bei Zielen mit eigener Autoanreise werden viele Kinder überhaupt nicht berechnet. Andere Veranstalter haben ähnliche Angebote. Also klare Empfehlung gerade für Familien: jetzt buchen – vor allem, wenn man ein bestimmtest Ziel oder gar in Hotel im Fokus hat.

Was sind die besten Tipps, um günstig zu reisen?

Na ja, nicht ganz ernst gemeinter Tipp: Urlaub auf Balkonien. Ist auch gut für die Umwelt. Aber ehrlich: Urlaub ist in der Regel keine günstige Angelegenheit. Egal, was die Marketingabteilungen Ihnen mit fetten Superpreisen signalisieren. Beim Tourismus ist die Gewinn-Marge bei in der Regel unter 4 Prozent. Da kann niemand was verschenken. Und eines sollte man sich klar machen, wenn man Preise vergleicht: wenn es exakt dasselbe Hotel ist, mit denselben Zimmer- und Verpflegungs-Kategorien ist, mit derselben Art des Transfers und demselben Flug – dann wird der Preis kaum unterschiedlich sein. Egal, bei welchem Veranstalter. Oder, ob Sie ins Reisebüro gehen, oder lieber online am Computer buchen. Wenn jemand vordergründig dasselbe zu einem Superpreis anbietet, dann ist in der Regel was faul. 

Werden die Preise weiterhin stark steigen? Wer kann sich Reisen in Zukunft noch leisten?

Ja, Urlaub ist teuer, und Urlaub wird sehr wahrscheinlich noch teurer. Die tollen Umsatzzahlen der Veranstalter, die teilweise schon wieder besser sind, als vor Corona, werden überwiegend durch die Preisanstiege realisiert. Es sind nämlich immer noch weniger Menschen, die verreisen, im Vergleich zu vor der Pandemie. Die touristische Industrie weiss also, dass sie bei den Erhöhungen vorsichtig sein muss. Denn noch gibt es die große Unbekannte: Was wird passieren, wenn die Heiz- und Nebenkostenbescheide 2023 im Briefkasten liegen. Gibt es dann einen Schock und einen Einbruch der Buchungen? Schwer zu sagen. Urlaub ist den Deutschen irgendwie ein heiliges Produkt. Aber natürlich: Ales wird teurer, vom Kerosin über die Lebensmittel bis zu den Löhnen. Warum sollte Urlaub dann billiger werden?

Beste Zeiten zum Verreisen (z.B. bezogen auf gut liegende Brückentage)?

Nun ja, der Haupturlaub ist ja völlig losgelöst von Brückentagen. Da geht es für die Allermeisten schlicht um die Schulferien-Termine. Wer nicht daran gebunden ist, kann natürlich schon den einen oder anderen Arbeitstag einsparen. Die Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland haben wieder mal die meisten Brückentage, weil sie so unglaublich fromm sind. Aber das alles zählt eher für Kurzurlaube oder mal Städtetrips. Denn Urlaub rund um die klassischen Feiertage wie Weihnachten und Ostern ist ja eh hochpreisig. D zählt dann eher das nötige Kleingeld.

Was kann man machen, um nachhaltiger zu reisen?

 Nachhaltigkeit und Tourismus sind eigentlich zwei Dinge, die nur bedingt zusammen passen. Wenn es um den Umweltaspekt geht, sollte man schauen, ob das Urlaubshotel seriös zertifiziert ist. Bei fast allen Veranstaltern ist da mittlerweile durchaus viel passiert. Nicht unbedingt, weil die ihr grünes Herz entdecken: Nachhaltigkeit gut umgesetzt ist auch durchaus ein Kostensparer für den Hotelier.

Eine Flugreise ist immer der dickste Brocken. Für einen 2-Wochen-Urlaub gerade noch ok. Aber der früher so beliebte Wochenend-Trip hat für die meisten Menschen mittlerweile schon ein Geschmäckle, wenn eine Fluganreise dabei ist.

Wichtig finde ich, auch mal auf soziale Aspekte zu schauen. Wie werden die Menschen bezahlt? Wer profitiert vom Geld? Gibt es vorwiegend einheimische Produkte? Ganz optimistisch betrachtet könnte man da schon einiges verbessern für die Bereisten. 

Wo gibt es neue Einreisebestimmungen?

Wenn wir uns jetzt den klassischen Sommerurlaub anschauen – Sommer ist ja nicht die Fernreisezeit unbedingt – dann gibt es nur wenige Veränderungen. China hat die Einreisebestimmungen sehr gelockert. Aber das ist ja eher etwas für Geschäftsleute oder Studienreisende. Ansonsten gibt es eher Überlegungen für Preisanstiege durch neue oder teurere Bettensteuer-Modelle oder Einreisegebühren. Das ist aber jetzt eher ein Veranstalter-Problem. Denn die meisten wollen solche Verteuerungen nicht nachfordern, wenn die Reise schon gebucht ist.

Was für Veränderungen gibt es bei der Beantragung eines Passes?

Ja, da gab es so eine Aufreger-Meldung, dass der Kinder-Reisepass abgeschafft wird. Aber natürlich nicht generell ab 1. Januar. Nur, wenn einer abgelaufen ist, wird kein neuer ausgestellt, sondern ein richtiger Reisepass. Das kann dann allerdings ins Geld gehen. Ein Reisepass kostet jetzt stolze 70 Euro.  Für Erwachsene ab 24 Jahren. Für Jüngere 37,50 Euro. Allerdings ist er dann auch nur maximal 6 Jahre gültig. Was ja auch irgendwie Sinn macht, da Kinder ihr Aussehen schneller verändern, als Erwachsene. Das größte Problem – vor allem in Städten wie Berlin – ist es aber, rechtzeitig bei der Verwaltung einen neuen Pass zu beantragen, wenn er abgelaufen ist. Das kann dann viele Wochen dauern. Also lieber rechtzeitig jetzt schon gucken, ob man 2024 einen neuen Pass benötigt.