Als ich das erste Mal einen Berliner Hinterhof-Balkon mein Eigen nannte, fühlte ich mich ein wenig wie der Autor eines ungeschriebenen Ratgebers: „Wie richte ich ein Nichts ein?“ Denn – Hand aufs Herz – wir alle kennen das: Ein Balkon ist erst einmal nichts als eine bauliche Auskragung, oft karg wie ein Nebenraum für Dinge mit ungeklärtem Status zwischen Wert und Sperrmüll. Warum also, so fragte ich mich, wird dieser potentielle Sehnsuchtsort so oft zum „Nicht-Raum“, zur Lagerkammer der Moderne?
Von der „Nicht-Fläche“ zur Utopie
Ich wollte wissen: Kann man aus einem langweiligen, vier Quadratmeter großen Balkon wirklich ein Refugium zaubern, das dem Sommerurlaub Konkurrenz macht? Oder ist das alles nur Einbildung, Homeoffice-Romantik und Urban Gardening-Propaganda?
Diese Fragen trieben mich zu dieser filmischen Reportage. Also stellte ich mich mal wieder vor die Kamera – und vor die Herausforderung, meinen eigenen Hinterhofs-Balkon in wenigen Tagen von einem kargen Eisen-Holz-Austritt zum kleinen Urlaubstraum upgraden zu müssen. Und ja: Es kommt alles darin vor – von der erschütternden Schönheit künstlicher Buchsbaumhecken über Kunstrasen mit Grimaldi-Stichdichte bis hin zur Balkon-Legende „Es geht doch nichts über echte Pflanzen!“. Natürlich fehlt auch die journalistische Selbstironie nicht.
Balkon – Spiegel der Gesellschaft
- Der Balkon ist Projektion für unsere Sehnsucht nach Freiheit, Ordnung – und endet zu oft bloß als praktischer Lagerplatz.
- Er ist der „Notausgang aus dem inneren Ordnungswahn“.
- Genutzt wird das Potential selten. Aber wenn, dann eröffnet er das Fenster zum Weltgeist der kleinen Glücksmomente.
Balkonglück – das bessere All Inclusive?
Wer einmal im 4-Sterne-Hotel das Handtuch-Drama um die besten Pool-Liegen verloren hat, ahnt: Der beste Platz ist doch immer zu Hause.
- Kein Reservieren, keine Animateure, keine Enttäuschung am Buffet.
- Wer Lavendelduft, WLAN und den Lieblingsespresso sucht, findet ihn am eigenen Balkontisch im Pyjama.
Die Ironie des Glücks: Gerade auf Balkonien läuft man nicht Gefahr, dass das Wetter jedes Urlaubsfoto sabotiert. Die Sicht auf Nachbars Oleander ersetzt, mit der richtigen Fantasie und einer Lichterkette, jedes Urlaubsresort.
Sie wissen, Sie sind auf Balkonien, wenn…
- Der Prosecco perfekt gemixt aus dem eigenen Kühlschrank kommt, und nicht von der drängeligen Resort-Poolbar in Plastikbechern
- Ihre besten Urlaubs-Momente passieren, barfuß auf einem perfekten, extrem hochflorigen Rasen, den es in der Natur nie so geben würde
- Sie „Wellenrauschen“ oder „Waldzwitschern“ beim Buchlesen über Ihre Airpods geniessen
- Niemand Ihnen morgens um 7 Uhr eine Liege streitig macht
Zehn nicht ganz ernst gemeinte Gründe, Urlaub auf Balkonien zu lieben
- Frühstückszeiten? Legen Sie selbst fest.
- Kein Flugzeug-Abgas, aber garantiert viel (frische) Luft.
- Von der Liege direkt ins eigene Bad: Barrierefrei.
- Location-Wechsel? Ein Schritt ins Wohnzimmer reicht.
- Balkonumgestaltung amortisiert sich spätestens am dritten Regentag.
- Kulturprogramm: Netflix oder Balkonkrimi – Sie sind der Intendant.
- Wellness: Fußbad im Blumentopf und der perfekte Kräutertee inklusive.
- Fremdsprachen lernen? Maximal „Moin, Nachbar“.
- Stau auf dem Weg zum Paradies: ausgeschlossen!
- Handtuchkrieg? Sie haben längst gewonnen.
Aus der Werkstatt eines Filmemachers
Der Dreh war ein Selbstversuch mit Happy End. Kunsthecken, Drainagegitter, 15-jährige Kunstrasen-Garantie und ein wuchernder Bambus: Plötzlich wurde aus dem Berliner Hinterhof ein Refugium, dessen Romantik jede Touristen-Blase an der Adriaküste ausgestochen hätte (vor allem in der Blauen Stunde). Der Balkon ist jetzt Bühne, Lebenselixier, Draufblick und Fluchtpunkt zugleich.
Die Reise war mehr als eine Einrichtungs-Challenge. Es ging ums Auskosten des Hier und Jetzt. Darum, den Tag auf wenigen Quadratmetern zu verschenken, an Nachdenken und Pausen, ans Homeoffice und die Sommerabende mit Freunden. Und, ganz ehrlich: Wer sein „Nichts“ einmal verwandelt hat, merkt, was echte Erholung heißt.
Zur Vertiefung: Inspirations-Links rund ums Balkonparadies
Fazit mit Empfehlung
Warum habe ich diesen Film gedreht? Weil es höchste Zeit ist, den Balkon zu entstauben – und zu entdecken, wie leicht aus einem „Nicht-Ort“ ein Sehnsuchtsraum wird: mit Witz, Fantasie, Neugier und etwas Selbstironie. Oder wie ich im Film sage: „Endlich weiß ich, was ich nie gesucht habe, aber es mir jetzt wirklich fehlen würde, wenn ich es nicht mehr hätte!“
Jetzt sind Sie nur noch einen Klick entfernt von Balkonien. Aber Vorsicht: Es könnte Nachahmungsdrang auslösen – aber dafür die nächste Reiseplanung deutlich entspannter machen.
Meine Reiseempfehlung: Balkonien. Eintritt jederzeit. Gute Laune inbegriffen.
Um den Film anzuschauen, bitte auf den PLAY Button im Titelbild klicken






