Traum-Urlaub zu Schnäppchen-Preisen? TUI setzt alles auf Frühbucher. Foto/Collage © Aixpress / MJ

Urlaub, als gäbe es kein Morgen?
Wird es 2026 wieder Last Minute geben?

Kommentar: Jürgen Drensek

Wie wäre das richtige Wort, um die gerade zu Ende gegangene Sommersaison aus Sicht der Reiseveranstalter zu beschreiben? Durchmischt? Besorgt? Überraschend? Gerade-noch-erleichternd?

Es war für alle Beteiligten zumindest eine Herausforderung und beileibe kein Selbstläufer. Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen crashten auf zunächst etwas Flaute und dann spätes Preisdumping in manchen wichtigen Zielgebieten. Alle Profis im Gewerbe wissen, seit Corona läuft nichts wieder wirklich rund im Urlaubs-Wunderland. Viele der Akteuere sind immer noch wirtschaftlich etwas angeschlagen und mitnichten über dem Berg. Sie brauchen einfach mehr Cash-Flow, um Altschulden abzutragen. 

Aber der Urlauber auf der anderen Seite ist in weiten Teilen preissensibel geworden; auch aus Sorge um weitere wirtschaftliche Unsicherheit.

Die Unternehmens-Zahlen werden seit Corona zwar nicht frisiert, aber eben doch anders öffentlich interpretiert. Waren es früher vor allem die Pax-Zahlen, mit denen die eigene Potenz am Markt demonstriert wurde, muss jetzt überwiegend der Umsatz her halten. Er vernebelt allerdings das Problem der Branche, dass seit dem alptraumhaften Einschnitt immer weniger Menschen sich denselben Urlaub leisten (können), wie noch vor 2020. 

Die höheren Preise, die konsequente Ausweitung des Angebots auf immer mehr Wertschöpfungen vor Ort und auch die vertikalen Effekte selbst betriebener Unternehmens Assets bei Transport und Logis treiben den Umsatz – und den immer noch bescheidenen Gewinn – und wollen Optimismus statt Business as usual durchschimmern lassen.

In dieser Saison hat es trotzdem gerumpelt im Maschinenraum der organisierten Landverschickung. Nach der eigentlich ganz verheissungsvollen ersten Frühbucher-Phase wurde es schnell mau, weil etliche Hoteliers – vor allem in der Türkei – glaubten, nun müssten sie endlich mal wieder Kasse machen dürfen. Viele Kunden, die ab März in die Reisebüros oder auf Plattformen gingen zum Normalpreis-Verkauf, rieben sich verwundert die Augen, mit welchen Preisen sie auf einmal konfrontiert wurden. Und das zu einem Zeitpunkt maximaler gesellschaftlicher Verunsicherung national, wie auch international.

Es folgte die normative Kraft des Faktischen in der Welt des Kapitalismus: großes Angebot, geringere Nachfrage bedingt zwingend Absturz der Preise. Der Gau für Veranstalter, die seit Jahren es predigen, wie ein Mantra: nur, wer früh bucht, kann Geld sparen. 2025 dagegen entwickelte sich zum Last Minute Jahr. 

Das soll nach Möglichkeit ein Ausrutscher bleiben. Bei der TUI gibt man offen zu, dass es bei der Planung der Sommersaison 2026 intensive Gespräche gegeben hat mit Hoteliers, wo ihnen Fakten-basiert vor Augen geführt wurde, wie sehr sie sich und dem Marktumfeld ins Knie geschossen haben durch ihre Preispolitik 2025. Es hat, so hört man aus der Geschäftsführung, „dringende Ermahnungen“ gegeben, die Preise wieder der Lebensrealität ihrer Kunden anzupassen. Bis hin zu Warnungen, ansonsten würde man auch Veranstalterseitig „Last Minute Blocker“ in Erwägung ziehen und den Hotelier auf seinen gefühlt überhöhten Preisen sitzen lassen kurz vor der Hauptsaison. Das wäre dann die größt-anzunehmende Strafe. Denn Hotelzimmer sind eine extrem leicht verderbliche Ware.

Möglichst wenig soll die tatsächlich immer noch vorhande Urlaubs-Begeisterung der Deutschen ausbremsen. Ähnlich, wie bei der gerade bevorstehenden Wintersaison, wo 77 Prozent der repräsentativ Befragten Weihnachten verreisen wollen – vorzugsweise in ein weisses Winter-Wonderland oder auch an weisse Strände – sieht man auch für den kommenden Sommer bei der TUI eine beeindruckende Buchungsbereitschaft. Allein in der gerade abgelaufenen Black Week, wo man bis zu 450 € sparen konnte bei einer Buchung, konnten etwa 100.000 Reiseverträge geschrieben werden. Dieser Schwung soll unbedingt fortgesetzt werden mit Frühbucherpreisen mit Rabatten bis zu 40 Prozent und Kinderfestpreisen für einen gesamten Aufenthalt inklusive Flug ab 149 Euro. 

Natürlich hat TUI mit der High End Marke Airtours auch die Premium-Reisenden aus der CEO Liga  als relativ konjunktur-unabhängigen Backbone im Sortiment. Aber die Zeiten des „TUI – Sie haben es sich verdient“ Slogans sind nostalgische Vergangenheit. Heute gilt es vor allem, die Menschen mit nur überschaubaren Budget zu erreichen. Und da hat es Alltours, wie die Zahlen zeigen, im klaren Markenauftritt derzeit leichter.