Nische Queer Travel
Schöner schwul reisen?

Marketing-Experten sind schon sehr angetan von der schwulen Zielgruppe als Konsument. Und hier geht es tatsächlich explizit um die Schwulen im Farbenspektrum des Regenbogens. Männer, die sich für Männer interessieren, scheinen wohlhabender zu sein, als der gesellschaftliche Durchschnitt, hätten in der Regel bessere, oder besser gesagt, besser bezahlte Berufe, einen eher hedonistischen Lebensstil mit der Bereitschaft, auch mal für unnütze, aber schöne Dinge Geld auszugeben, seien reisefreudiger als der Durchschnitt, und unterwegs auch spendabler – kurzum, sie erscheinen in den Statistiken oft, wie der ideale Kunde. Vor allem, wenn sie DINKs sind, also double-income-no kids.

Kein Wunder, dass auch die Touristische Industrie großes Interesse an diesen Reisenden hat. Solange sie eben „normale“ Reisende sind und Formen der zwischenmenschlichen Zuneigung am besten im Bereich der privaten Lebensführung bleiben. Angebote explizit an diese Zielgruppe lassen viele Veranstalter doch etwas fremdeln. Bis auf die DERTouristik, die als erste einen entsprechenden Zielgruppen-Katalog auf den Markt brachte.

Da ist immer noch die Panik im Kopf der 70er, 80er Jahre, als es einen gewissen heterosexuellen Tourismus nach Thailand gab, mit dem Bumsbomber hin, mit dem Tripper-Clipper zurück… Damals mussten Veranstalter sich in ihrer Formulierungskunst einen abbrechen in der Hotelbeschreibung einschlägiger Etablissements, um nicht eine Familie dort peinlicherweise einzubuchen…

 – „Hotel wird gerne von alleinreisenden Herren gebucht“, „am Hotelpool herrscht gerade in den Abendstunden oft ein ausgelassenes Treiben“ …

Heute geht da die Formulierung, ein Hotel sei gay-friendly, verhältnismäßig leicht durch die juristische Überprüfung der Katalogtexte. Wobei es da putzigerweise noch einen skurrilen Twist gibt…., wenn es heisst, ein Hotel sei Hetero-friendly – was im Kontext wohl sublim formuliert bedeuten soll, Heten werden nicht vom Pool verjagt, wenn sie ein küssendes Pärchen er-und-er oder sie-und-sie beobachten.

Anyway. Die Grundfrage im Tourismus bei der Betrachtung des queer travel ist doch eher, was will diese Zielgruppe, um einen schönen Urlaub zu haben? Müssen da tatsächlich Regenbogen-Flaggen wehen? Oder ist die LGBTQ Community in ihren Reisewünschen überhaupt nicht unterschiedlich zu all den anderen?

Ein paar Zahlen aus einer amerikanischen Studie, die seit Jahren dieses Segment befragt. Ja, es stimmt, LGBTQ reist mehr: drei und mehr Reisen pro Jahr. Allerdings wollen, ganz langweilig, 73% sich entspannen, 69% dem Alltag entfliehen, und ebenso 69% etwas Neues entdecken. Die schwächste (!) Motivation ist mit 29%, die schwul-lesbische Community zu feiern und zu erleben…

Die wichtigsten Wünsche sind mit 88% Spaß und Freude zu haben, 52% wollen den Kopf frei bekommen. Die Hälfte der Lesben und 36% der Schwulen möchten Zeit für Freund oder Partner haben, sich wieder nahe kommen. Aber nur 20% der Schwulen hoffen auf Sex mit den Einheimischen. Bei den Lesben sind es gerade mal 1 Prozent.

Natürlich soll idealerweise eine Destination sicher sein und LGBTQ freundlich sein. Aber es müssen keine Party-Hotspots sein. Viele Reisende dieser Zielgruppe kommen selbst aus Communities mit großer Vielfalt und brauchen das nicht unbedingt auch noch im Urlaub.

Eine abwechslungsreiche Food-Szene ist wichtig, Natur-Schönheiten, und Outdoor-Aktivitäten. Die reizen allerdings eher jüngere Reisende und Lesben. Luxus spielt überraschend nur eine sehr schwache Rolle für eine Destinations-Entscheidung. Und shop-till-you-drop scheint ebenfalls ziemlich uninteressant zu sein.

Ach ja, Kreuzfahrt. Bei den Amerikanern hatten 12 Prozent der Reisenden aus der LGBTQ Community in den letzten 12 Monaten eine oder zwei Cruises mitgemacht; allerdings davon nur 21 Prozent auf einer expliziten Rainbow-Cruise…

Der schwul-lesbische Reisende scheint also viel „normaler“ zu sein, als gedacht. Und darüber unterhalte ich mich als „Reise-Experte“ zusammen mit Tobias Sauer, dem ehemaligen Chefredakteur von Spartacus Travel auf Einladung von Michael Meyer für seinen „QuerAsBerlin“ Podcast.

Informationen zum Gay Travel Index – Wo ist es gefährlich für Homosexuelle?

Um das Gespräch zu hören, bitte auf den PLAY Button im Foto klicken

 

 

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