Urlaub mit Sinn nach Corona
Travel Talk mit Andreas Koch

Traditionell waren bisher auf der ITB Veranstaltungen über Nachhaltigkeit – oder besser gesagt, deren Defizit – im Tourismus gut besucht. Vor allem in Journalistenkreisen galten sie als Pflichtveranstaltungen inmitten des PR-Karnevals der Happy-Peppy-Branche. Und bei einem fiktiven Pressespiegel würde man wahrscheinlich auch feststellen, dass Berichte über die problematischen Auswirkungen des Tourismus auf die Bereisten zumindest abseits der Reise-Resorts in der Mehrheit sind. Vielleicht auch, um das eigene schlechte Gewissen etwas zu beruhigen wegen der vielen Reisen, die wir Journalisten jedes Jahr aus Gründern der Berichterstattung so tun.

Daraus aber zu schlussfolgern, nachhaltiger Urlaub – früher hiess es eher umweltbewusster Urlaub – sei auch ein Herzensanliegen für die Kunden, also die Reisenden, wäre falsch. Diese Erfahrung mussten alle Player der Branche, die nicht in einer ganz speziellen Nische ihre Kunden haben, bisher machen. 

Die meisten Urlauber würden natürlich im Brustton der Überzeugung zustimmen, dass auch Urlaub unter achtsamen Kriterien wünschenswert wäre, und dass sie sich eine saubere Umwelt wünschen, keine Massenunterkünfte und landestypischen Flair… 

Nur, die wenigsten möchten dafür auch adäquat zahlen oder den mittlerweile so geschätzten All Inclusive Komfort missen. Das ist seit Jahren der Gap zwischen Anspruch und Wirklichkeit. 

Selbst eine freiwillige Mini-Kompensation auf ein Flugticket über wenige Euro wurde von einem bekannten Ferienflieger nach kurzer Zeit wieder eingestellt, weil die Spendenbereitschaft ernüchternd war.

Volumentourismus und Nachhaltigkeit – also auch soziale Nachhaltigkeit in Bezug auf Arbeitsbedingungen vor Ort – das scheint einfach nicht zusammen zu passen; so das Credo der Veranstalter, deren Klientel vor allem preissensibel ist.

Vor diesem Hintergrund ist gerade jetzt die Frage interessant, ob Corona da einen Umdenk-Prozess zulässt. Jetzt, da Urlaub 2020 ohnehin nur auf Sparflamme möglich sein wird. 

Wenn Menschen eh noch unsicher sind, ob sie verreisen sollten, ist das die Chance für Anbieter, die sehr offensiv werben mit fürsorglichem, authentischem Erlebnis für die neue Sinnlichkeit?

Ob das nur Wunschdenken ist, darüber unterhalte ich mich im Touristik Talk mit Andreas Koch, dem CEO der Touristik-Beratung BlueContec. Der studierte Biologe war Umweltbeauftragter der TUI und Gründungsvorstand von Futouris. Das Thema Nachhaltigkeit liegt ihm also im Blut.

https://www.bluecontec.com

https://www.futouris.org

https://www.tuicarefoundation.com/de

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